Eine neue Form der Kundenbetreuung II.

29. Juni 2009

Heute fand ich eine E-Mail vom REWE Kundenservice in meinem virtuellen Briefkasten. Darin stand leider wenig konkretes, nur das man den Vorfall bedauern würde und das meine Angelegenheit an die entsprechenden Verantwortlichen weitergeleitet wurde. Immerhin etwas.

Man könnte also sagen, dass mich die erste Reaktion nicht völlig zufrieden gestellt hat. Aber gut, das darf man hier an dieser Stelle auch niemandem vorwerfen… Denn natürlich muss so ein Vorgang erst geprüft werden, an die Verantwortlichen weitergeleitet werden und so weiter. Ich bin also gespannt, wie sich die Sache weiterentwickelt.

Die völlig unerwartete Erkenntnis, man müsste noch ein paar Dinge für den Haushalt einkaufen, kam mir da sehr gelegen. Ich schnappte mir meinen Rucksack – leider habe ich nur einen sehr großen, aber da ich auch Toilettenpapier kaufen wollte und das gerne in meinem Rucksack verstauen wollte kam mir das gar nicht so unglegen – und lief los in Richtung REWE. Und ich war sehr gespannt was passieren würde. Denn diesmal wollte ich niemanden einen Blick in meine Tasche werfen lassen.

Als ich ankam stellte ich relativ bald fest, dass sowohl die Schließfächer noch vorhanden waren, als auch das an den Kassen weiterhin die Taschen von allen Kunden kontrolliert wurden. Ich suchte schnellstmöglich meine Artikel zusammen und ging dann direkt zur Kasse. Während ich dann in der Schlange stand und beobachten konnte, wie alle Kunden vor mir den Inhalt ihrer Taschen vorzeigen durfte wurde mir irgendwie unwohl. Nicht das ich hier dabei wäre Achterbahn zu fahren, oder eine unglaubliche Leistung vollbringen würde… aber trotzdem war ich sehr angespannt.

Dann kam ich an die Reihe, die Kassiererin zog meine Artikel über die Kasse und ich dachte schon es würde nichts passieren. Um meine Artikel im Rucksack verstauen zu können, setzte ich diesen ab und stellte ihn direkt an die Verkleidung der Kasse. Dann ergab sich das im folgenden sinngemäß wiedergegebene Gespräch:

Kassiererin: “Ich würde gerne einen Blick in ihren Rucksack werfen”
Ich: “Warum denn das?
Kassiererin: “Darf ich bitte in ihren Rucksack schauen?”
Ich: “Warum denn?
Kassiererin: “Darf ich jetzt?”
Ich: “Aber warum denn? Haben sie irgendwelche Gründe dafür, haben sie gesehen wie ich etwas eingesteckt habe oder so?
Kassiererin: “Anweisung von oben, darf ich jetzt?”
Ich: “In dem Fall: Nein.

Die anderen Kunden in der Schlange schauten derweil leicht angenervt um sich, weil es nicht vorwärts ging. Ein offenbar etwas verantwortlicherer Mitarbeiter sprach mich von der Seite an und bat mich ebenfalls, dass ich der Kassiererin doch bitte den Inhalt meiner Tasche zeigen solle. Als ich das ebenfalls verneinte, nickte er offenbar der Kassierin zu, worauf diese mir wortlos mein Wechselgeld und den Kassenzettel in die Hand drückte.

Damit war mein Einkauf vorbei. Und mein Adrenalinspiegel weit jenseits von gut und Böse, obwohl ich glaube hoffe das man es mir von außen kaum angemerkt hat. Von der Situation her war es mit einer spontanen Führerscheinkontrolle durch die Polizei zu vergleichen: Man hat sich zwar eigentlich nichts vorzuwerfen, aber in der Situation fühlt man sich trotzdem sehr unwohl und überlegt ob man nicht doch etwas falsch gemacht haben könnte.

Ich persönlich kann natürlich nur spekulieren über das Verständnis von einem “angenehmen Einkaufserlebnis” für den Kunden seitens der für die Taschenkontrollen Verantwortlichen. Aber es gibt da anscheinend eine klaffende Differenz zwischen dem, was ich heute als Kunde erleben durfte und dem was sich mein naiver Geist so unter einem “angenehmen Einkaufserlebnis” vorstellt.

Ich empfinde es jedenfalls als einen unhaltbaren Zustand, dass ich mich hier nach einem Einkauf im REWE sehr unwohl fühle, nur weil ich meine Persönlichkeitsrechte wahren wollte.

Eine neue Form der Kundenbetreuung.

27. Juni 2009

Ich denke, dieser Test ist selbsterklärend.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe bis heute immer gerne im REWE Markt am Erlenring in Marburg eingekauft. Das hatte viele Gründe, aber nicht zuletzt lag es an den Bemühungen der Mitarbeiter den Einkauf für ihre Kunden möglichst angenehm zu gestalten. Die Mitarbeiter ließen einen Wissen, dass man als Kunde ernst genommen wird und stets im Markt willkommen ist.

Doch anscheinend hat sich das geändert. Seit kurzem werden in diesem Markt systematische Taschenkontrollen an allen Kassen und bei nahezu allen Kunden durchgeführt – es sei denn es ist zu voll. Ich finde es ist ein unmögliches Verhalten den Kunden gegenüber, dass hier pauschal und ohne jeden konkreten Verdacht von den Kassierern die Taschen der Kunden durchsucht werden sollten. Ich wurde Zeuge als weit mehr als ein flüchtiger Blick in die Handtasche einer Kundin geworfen wurde. Das ging weit über eine Kontrolle der Tasche hinaus, denn ein Polizist hätte wohl mit ähnlicher Sorgfalt gehandelt.

Ich selbst wurde aufgefordert alle Teile meines Rucksackes zu öffnen und den Inhalt dem Kassierer zu zeigen und sollte darüber hinaus direkt einen Kassenzettel eines Mitbewerbers vorweisen – meine Versicherung, die Produkte würden aus dem Aldi nebenan stammen reichte offenbar nicht aus. Darüber hinaus wurde das ganze mit dem freundlichen Hinweis abgeschlossen ich könne ja meinen Rucksack auch am Eingang in eines der bereitgestellten Schließfächer einschließen, dann würde mir diese Prozedur entgehen.

Das ganze ist eine unglaubliche Unverschämtheit mir als Kunden gegenüber und stellt eine Form der Diskriminierung und Vorverurteilung dar, die man Kunden gegenüber nicht an den Tag legen sollte! Ich bin nicht alleine dieser Meinung, denn wie ich in Gesprächen mit Bekannten erfahren habe, ist bereits einigen ähnliches widerfahren. Sollte in diesem Markt an diesem Verfahren festgehalten werden, sehen einige – mich eingeschlossen – nur die Konsequenz dort in Zukunft nicht mehr einzukaufen.

Ich schicke Ihnen diese Mitteilung, weil ich eigentlich ein zufriedener Kunde der REWE bin und gerne auch in in diesem Markt einkaufen möchte. Von Ihnen würde ich gerne Erfahren, wie die REWE von solchen Handlungen in ihren Märkten steht und wann ich mit der Abstellung dieses Zustandes rechnen kann.

Mit freundlichen Grüßen,
Jens Christoph Steltner

Diesen Text habe ich heute, geprägt von einem etwas unschönen Erlebnis in “meinem” REWE Markt in Marburg, über das Kontaktformular “Anfrage zu Ihrem Markt” auf der Homepage der REWE, an das Kundenmanagement der REWE geschickt.

Und ich bin gespannt auf die Antwort.

Anästhesie – Tag XX

27. März 2009

Anästhesie bei Kindern ist irgendwie anders.

Alles ist einfach viel kleiner und knuddeliger. Nicht nur die Patienten, wobei die natürlich in der Regel auch einfach zum knuddeln sind. Aber es gibt auch echt hässliche Babys, das aber nur am Rande. Nein auch die ganze Technik, sprich: Beatmungsmasken, Schläuche, Infusionen, Zugänge und Intubationszeug… Alles ist so klein und putzig, man könnte es fast für Spielzeug halten.

Auch die Mengen an Medikamenten, die verabreicht werden müssen sind viel kleiner und werden nicht nur mal so Pi mal Daumen berechnet. Und auch auf die Beatmung muss man viel eher aufpassen und sie viel mehr auf den einzelnen Patienten einstellen.

Leider sind die Möglichkeiten dabei etwas als Famulant zu machen noch viel eingeschränkter, als sonst. Aber lernen kann man trotzdem enorm viel, wobei der Anästhesist mich – für mein Gefühl – schon ziemlich viel hat machen lassen. War herausfordernd, aber echt gut und hat sehr viel Spaß gemacht.

Anästhesie – Tag XVIV

26. März 2009

Unglaublich, wie kaltblütig manche Leute sein können.

Heute am frühen Vormittag meldete sich bei uns ein lokales Krankenhaus, dessen Schwerpunkt in der Geriatrie liegt. Sie hätten einen beatmeteten Patienten auf ihrer Intensivstation mit irgendwelchen Nekrosen an den Zehen, weswegen vorsichtshalber mal der ganze Fuß amputiert werden sollte. Sowas ist natürlich immer eine schwierige Angelegtenheit, denn die Versuchung ist groß auf diese weise Patienten an andere Krankenhäuser – in diesem Fall uns – abzuschieben.

Also stellten unsere Chiurgen klar, dass eine Übernahme des Patienten nur unter wohl definierten Umständen stattfinden kann. Der Patient sollte nur temporär für die Dauer der Operation bei uns aufgenommen werden und auf keinen Fall ein Bett auf der Intensivstation erhalten. Außerdem verlangten sie von dem anderen Krankenhaus, sich um die diversen Formalien u.a. die Richterliche zustimmung zu kümmern, weil es keinen Vormund für den Patienten gab. Doch die Ärzte im anderen Krankenhaus zeigten sich nur wenig kooperativ und gingen die Sache relativ halbherzig an – so die Aussage unserer Chirurgen. Diese hatten verständlicherweise wenig bis gar keine Lust darauf sich irgendwie ausnutzen zu lassen, geschweige denn im Zweifelsfall den Kopf hinhalten zu müssen. Der Chefarzt persönlich wandte sich an das andere Krankenhaus und stellte recht unmissverständlich klar unter welchen Bedingungen das ganze zu laufen hat. Nach diesem Telefonat war funkstille und das andere Krankenhaus meldete sich nicht mehr.

Umviertel vor Vier vermeldete die Notaufnahme, dass ein beatmeter Patient mit  relativ schlechter Kreislaufsituation zur notfallmäßigen Zehenamputation – also ohne Einwilligung etc pp – zu uns unterwegs wäre…

Arschlöcher.

Anästhesie – Tag XVIII

25. März 2009

Verdammt…

Da wird ein Patient ursprünglich auf eine Spinalanästhesie aufgeklärt, wegen einer Metallentfernung am Unterschenkel. Weil aber niemand von uns einen Blick auf den Aufklärungsbogen geworfen hat – und man grade so schön im Trott drin war – wurde daraus schnell mal eine Larynxmaske, die dann wegen gewisser Schwierigkeiten zu einer ITN wurde. Deswegen:

Verlass dich bei wichtigen Dingen nicht einfach auf andere, sondern nur auf deine sieben Sinne.