Anästhesie – Tag VI
Heute sorgte ein akutes Abdomen für gewisse Abwechslung im grauen Op-Alltag. Es war ein älterer Patient, dem es richtig schlecht ging. Das Abdomen als Übeltäter war sehr offensichtlich, denn es war sehr stark aufgebläht. Der Patient hatte eine schockige Kreislaufsituation, obwohl er schon in der Notaufnahme und vom Notarzt therapiert worden ist. Die Beschwerden hatte der Patient nach eigenen Angaben wohl schon seit über einer (!) Woche.
Es folgte eine problemlose Crash-Einleitung, wenn man davon absieht das eine Sauerstoffsättigung peripher praktisch nicht messbar war. Denn dafür war der Kreislauf zu zentralisiert, was sich auch bei den Versuchen einen arteriellen Zugang zu kriegen als nachteilig erwies. Es brauchte einige Versuche, doch es klappte schließlich. Auch der zentralvenöse Zugang klappte nicht ohne weiteres, aber immerhin besser als der arterielle.
Während sich die Chirurgen an eine Laparatomie machten um die Ursache für das akute Abdomen herauszufinden, versuchten wir den Blutdruck des Patienten zu stabilisieren. Ohne medikamentöse Therapie war der Blutdruck praktisch nicht messbar und lag unter 30 systolisch. Immerhin ein Perfusor mit Arterenol und viel Volumen sorgen für systolische Drücke von um die 100.
Die Chirurgen fanden unglaublich stark dilatierte Darmschlingen, deren Ursache offenbar ein hämorrhagischer Darminfarkt irgendwo im Gebiet der Mesenterica inferior war. Und weil das alleine nicht reichte hatten sich mehrere Verschlingungen gebildet, sodass es an gleich mehreren Stellen voneinander unabhängig zum Ileus gekommen war. Die Chirurgen führten eine fast vollständige Kolektomie durch und behoben den Ileus so gut es ging, außerdem legten sie einen Anus praeter an. Ihre Prognose für den Patienten war ausgesprochen schlecht.
Wir verlegten ihn postoperativ auf die chirurgische Intensivstation, wo der Patient noch am selben Nachmittag am Kreislaufversagen verstab.
Lehrreicher Fall, aber beschissenes Schicksal.
Am 17. March 2009 um 23:07 Uhr
[...] Seite aus mitbetreuen zu dürfen. Es war für mich – wie auch schon das akute Abdomen – ein lehrreicher Fall. Denn es war einiger Aufwand nötig, den Patienten im Diesseits zu [...]