Freiwillige vor!
Eigentlich sagt man ja immer: Meldet euch bloß nicht freiwillig, das macht euch nur Ärger! Und tatsächlich: Je nach Situation mag das mehr, oder weniger stark zutreffend sein.
Im Rahmen eines Medizinstudiums erlebt ein typischer Student viele Seminare, Übungen oder Praktika, in denen man irgendwelche praktischenfähigkeiten erwerben, oder trainieren soll. Dazu gehört der allseits beliebte “Fummelkurs”, der neben der allgemeinen Belustigung auch dazu dient, die körperliche Untersuchung eines Patienten zu üben. Aber es gibt noch mehr! In vielen Praktika werden Versuche durchgeführt, die so auch tatsächlich mit Patienten gemacht werden, sodass man die einmalige Gelegenheit erhält sich selbst und seinen Körper kostenlos “durchchecken” zu lassen. Das ersetzt natürlich keinen Arztbesuch, aber gibt zumindest Anhaltspunkte. Bisher war ich auch immer gerne dazu bereit mich für Versuche, oder Tests aller Art zur Verfügung zu stellen. Bisher.
Gestern nachmittag hatten wir im Rahmen des Unfallchirurgie Seminars den Termin “Gipskurs”. Insgesamt eine sehr lustige und vor allem auch lehrreiche Stunde, in deren Verlauf wir verschiedenste Arme und Beine mit mehr oder weniger kunstvollen Gipsen versorgt haben. Zum Abschluss suchte der Dozent einen Freiwilligen für die Demonstration eines Sprunggelenk-Gipses. Weil niemand anders wollte, erklärte ich mich bereit das Demonstrationsobjekt zu sein.
Er gipste mir also den Fuß ein, erklärte dazu einiges, alles gar nicht schlimm. Das böse Erwachen kam dann allerdings beim abmachen. Der Dozent stellte überrascht fest, das er den falschen Gips genommen hatte. Er wollte mir eigentlich nur einen relativ weichen Gips anlegen, den man einfach nur mit einer Schere hätte entfernen können. So allerdings musste die oszilierende Gipssäge ans Werk. Eigentlich kein Problem, denn die schneidet ja bekanntermaßen nicht ins Fleisch. Wie gesagt: Eigentlich.
Es ziepte etwas, tat irgendwie auch weh, aber war auszuhalten. Nachdem der Gips endlich ab war, sah die Haut ziemlich ramponiert aus. Sie war ziemlich rot und sah aus, als hätte ich einige fiese Schürfwunden gesammelt. Der Dozent entschuldigte sich bei mir und ich dachte mir nichts weiter. Etwas später – ich war schon wieder Zuhause – wurden die Schmerzen deutlich stärkter und die Wunden wurden mir suspekt, denn: Sie finden an langsam auseinander zu klaffen. Insbesondere eine Stelle hatte sich auf 5 bis 7mm aufgeweitet. Und ich konnte auf irgendein gelbes Gewebe darunter schauen. Das war mir sehr suspekt, sollte das etwa schon das subkutane Fettgewebe sein?! Als angehender Arzt, und damit nebenberuflicher Hypochonder, machte ich mir so meine Gedanken und beschloss: Damit gehst du besser mal zum Arzt, damit der sich das anschaut.
Meine Freundin war so freundlich mich in die Notaufnahme des Uniklinikums zu begleiten, was mir ehrlich gesagt sehr recht war. Ganz alleine dahin? Ne, das hätte ich nicht gewollt! Wir versuchten zunächst, direkt einen Arzt zu finden, denn das hätte uns die Aufnahmeprozedur und das ewige Warten erspart. Doch eine böse Oberschwester stoppte uns und schickte uns zurück zur Anmeldung. Schließlich muss alles seine Ordnung haben. Nachdem wir uns angemeldet hatten vergingen nur etwa vier Stunden, bis ich endlich aufgerufen wurde.
Lustigerweise hatte genau der Dozent aus dem Gipskurs Bereitschaftsdienst und schaute nicht schlecht als er mich sah. Er schaute sich die Wunde an und stellte fest das man das wohl nicht nähen müsste – inzwischen wäre es dafür allerdings eh zu spät gewesen. Er schmierte mir großzügig Bepanthen auf die Wunden, klebte zwei Pflaster drauf und das wars. Großartig, oder?
Mal schauen, ob ich mich nochmal freiwillig melden werde…
