12. March 2009
Lektion heute: Die Meinung eines Chirurgen über eine Narkose, sollte man nie über das Gefühl des Anästhesisten stellen.
Da hat man einen Patienten, der zu einer Zehenamputation kommt. Weil die Operation nicht lange dauern soll hat man dem Patienten nur eine verhältnismäßig geringe Dosis an Medikamenten gegeben. Was nicht heißt, dass er gar keine gekriegt hat. Aber halt grade genug, dass er die Operation gut übersteht. Manchmal muss man den Medikamenten aber ne gewisse Weile geben, bis sie ihr volle Wirksamkeit erreicht haben. Weil Chirurgen nun von Haus aus recht ungeduldige Wesen sind, beginnen sie in der Regel sobald der Patient entschlafen ist mit ihrem Tagewerk. Wenn der Patient sich nun z.B. durch Muskelzuckungen unerfreut über den Hautschnitt zeigt, dann sieht man sich als Anästhesist mit der Aussage konfrontiert das die Narkose ja wohl noch nicht tief genug wäre. Verbunden damit ist natürlich die Aufforderung schleunigst irgendwelche Medikamente zu spritzen. Und entweder man sagt den Chirurgen das sie sich doch bitte noch einen Moment gedulden sollen, oder folgt ihrer Aufforderung.
Wenn man sich darauf einlässt und tief in die Medikamentenschublade greift, dann sollte man in der Regel etwas Zeit mitbringen. Weil grade solche Operationen bei der die Chirurgen besonders ungeduldig sind nur wenige Minuten dauern. Nach ner Viertelstunde sind die nämlich schon wieder weg, man selbst steht aber anschließend noch ne halbe Stunde im Op-Saal wegen des Überhangs der eben noch verabreichten Medikamente.
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11. March 2009
Mancher älterer Patient hat wirklich miserable Venenverhältnisse, aber was ich heute erlebt habe war echt unglaublich. Es war praktisch unmöglich überhaupt irgendeine periphere Vene zu punktieren. Entweder man landet mit der Kanüle irgendwo im subcutanen Gewebe, die Vene zerplatzt bei der Punktion, oder was anderes läuft schief.
Das höchste der Gefühle bei dem Patienten heute war eine gelbe Viggo irgendwo am Knöchel. Selbst unter der Narkose war da nicht viel machbar, sodass der Patient letztendlich enen zentralvenösen Katheter erhalten hat.
Gruselige Vorstellung, nach der Narkose mit som Ding aufzuwachen. Wobei mit solchen Venenverhältnissen ist man vermutlich schon so einiges an Leid vom Blutabnehmen oder anderen Besuchen im Krankenhaus gewohnt.
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10. March 2009
Also manche Patienten… Ach lassen wir das.
Schließlich verlangt der Job ein gewisses Maß an Professionalität und was ich mir denke ist ja wieder ne ganz andere Sache. Bleibt nur zu hoffen, dass man im Falle eines Falles selbst ein “besserer” Patient ist.
Aber ich fürchte nicht.
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9. March 2009
Heute sorgte ein akutes Abdomen für gewisse Abwechslung im grauen Op-Alltag. Es war ein älterer Patient, dem es richtig schlecht ging. Das Abdomen als Übeltäter war sehr offensichtlich, denn es war sehr stark aufgebläht. Der Patient hatte eine schockige Kreislaufsituation, obwohl er schon in der Notaufnahme und vom Notarzt therapiert worden ist. Die Beschwerden hatte der Patient nach eigenen Angaben wohl schon seit über einer (!) Woche.
Es folgte eine problemlose Crash-Einleitung, wenn man davon absieht das eine Sauerstoffsättigung peripher praktisch nicht messbar war. Denn dafür war der Kreislauf zu zentralisiert, was sich auch bei den Versuchen einen arteriellen Zugang zu kriegen als nachteilig erwies. Es brauchte einige Versuche, doch es klappte schließlich. Auch der zentralvenöse Zugang klappte nicht ohne weiteres, aber immerhin besser als der arterielle.
Während sich die Chirurgen an eine Laparatomie machten um die Ursache für das akute Abdomen herauszufinden, versuchten wir den Blutdruck des Patienten zu stabilisieren. Ohne medikamentöse Therapie war der Blutdruck praktisch nicht messbar und lag unter 30 systolisch. Immerhin ein Perfusor mit Arterenol und viel Volumen sorgen für systolische Drücke von um die 100.
Die Chirurgen fanden unglaublich stark dilatierte Darmschlingen, deren Ursache offenbar ein hämorrhagischer Darminfarkt irgendwo im Gebiet der Mesenterica inferior war. Und weil das alleine nicht reichte hatten sich mehrere Verschlingungen gebildet, sodass es an gleich mehreren Stellen voneinander unabhängig zum Ileus gekommen war. Die Chirurgen führten eine fast vollständige Kolektomie durch und behoben den Ileus so gut es ging, außerdem legten sie einen Anus praeter an. Ihre Prognose für den Patienten war ausgesprochen schlecht.
Wir verlegten ihn postoperativ auf die chirurgische Intensivstation, wo der Patient noch am selben Nachmittag am Kreislaufversagen verstab.
Lehrreicher Fall, aber beschissenes Schicksal.
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6. March 2009
Lektion heute:
Eine medizinische Indikation hat erstmal alles, was man auch abgerechnen kann.
Auch wenn der Nutzen fragwürdig erscheint. Aber immerhin schadet es dem Patienten ja auch nicht…
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